Das Haus Esterházy steht im Burgenland nicht nur für das Schloss in Eisenstadt, sondern auch für nachgewiesene Weinerzeugung seit 1758. Ein Besuch im Weingut sowie anschließend im Schloss schlug die Brücke von der Moderne ins Mittelalter. Gar bis in die Römerzeit zurück reichen die Wurzeln der Weinerzeugung in Zurndorf, was anhand von Funden bei der Errichtung der Sektkellerei A-Nobis deutlich wurde. In Gols wurde dann beim Heurigen Weiss-Taschner ein erstaunlicher Schatz aus dem alten Keller geborgen.
Knapp 30 Mitglieder des St. Urbanus Weinritterordens hatten am 15.6.2024 den Weg ins Burgenland gefunden, wo sie im 2005 erbauten neuen Produktionsbetrieb des Weinguts Esterházy in Trausdorf von Geschäftsführer Frank Schindler und seiner Gattin herzlich empfangen wurden. "65 ha werden hier biologisch angebaut, davon 54% Weiß- und 46% Rotweintrauben. Im Verkauf sind es allerdings mittlerweil 70% Weißweine", erklärt Frank Schindler. Der Deutsche aus Halle a.d. Saale leitet das Weingut seit August 2019 und ist bereits zum "Wahlburgenländer" geworden.
Mit der neuen Produktionsstätte geht man hier auch völlig neue Wege. "Unsere 1.500 l-Holzfässer sind aus Leithaberg-Eiche aus unseren eigenen Wäldern", so Schindler. "Nachhaltigkeit wird bei uns groß geschrieben. So macht uns die 100KW-Solaranlage Stromtechnisch nahezu autark." Verwendet werden auch vier verschiedene Amphoren aus versiegeltem Beton, Granit, Keramik und Ton. "Wobei wir die besten Erfolge mit dem Beton erzielt haben. Durch die Mikrooxidation werden die Weine fülliger, verhalten sich bei der Reifung ähnlich wie im Holz." Daher wurden drei große Betonbehälter von jeweils 5.500 Litern angeschafft. "Auch das ist nachhaltig, denn die halten 100 Jahre. Ein Holzfass in der Größe nur etwa halb so lange."
Nach einem weiß vergorenen Blaufränkisch-Sekt NV Brut zur Begrüßung ging es mit jeweils einem Zweierflight zur Verkostung. 12 unterschiedlichste Weine die Qualitätspyramide hinauf, jeweils sechs in weiß und rot wurden verkostet (siehe Weinbeschreibungen ganz unten) und gaben einen guten Eindruck in die Arbeit des Weinguts Esterházy. "Mittlerweile exportieren wir 90% unserer Produktion", so Frank Schindler. "Vor allem in die USA, aber auch nach Asien und Australien, in insgesamt etwa 20 verschiedene Länder."
Nach dem Mittagessen im Restaurant Galátha ging's bei der Schlossführung zurück ins Mittelalter und zu den Anfängen der Weinerzeugung der Fürsten Esterházy. Vom beeindruckenden Haydn-Saal (früher Ballsaal, nun Konzertsaal) mit der Originaldecke aus dem 17. Jahrhundert in den alten Weinkeller. Hier wurden unglaubliche Mengen Wein gelagert, denn jedem Mitarbeiter standen pro Tag 3 Liter als Getränk zur Verfügung (auch wegen der schlechten Qualität des Trinkwassers). Auch Josef Haydn, Kapellmeister in fürstlichen Diensten, wurde teilweise mit Wein entlohnt. Übrigens: im Wiener Esterházy-Keller wurde auch schon während der Türkenbelagerung 1683 fürstlicher Wein an die Verteidiger der Stadt ausgegeben. Was wohl die Tradition der Weinausschank an diesem Ort im 1. Bezirk begründet hat.
Nächster Stopp war Österreichs modernste Sektkellerei im burgenländischen Zurndorf (errichtet um 8 Mio. Euro), wo Norbert und Birgit Szigeti die Weinritter begrüßten. Als Außenstelle des Kunsthistorischen Museums Wien ist die Kellerei zugleich Museum. Dort, wo einst der römische Kaiser Marc Aurel (regierte von 161-180) ein Versorgungs-Lager hatte, werden viele Artefakte ausgestellt, die beim Bau der 2.400 m2 großen Sektkellerei gefunden worden sind. Darunter ein über 3.000 Jahre alter germanischer Krater (Vorläufer der Amphore) sowie das durch Wasser konservierte älteste Weinfass Österreichs (2.000 Jahre).
"Wir erzeugen hier 250.000 Flaschen Sekt pro Jahr", erklärt Norbert Szigeti während der Führung durch den Betrieb. Er hat sich 2018 nach der Trennung von seinem Bruder Peter und dem Ausstieg aus der Sektkellerei in Gols neu erfunden - und A-Nobis auch mit einem Weingut in der Champagne um die Champagner-Produktion erweitert. "4.000 kg Trauben können wir gleichzeitig pressen und bekommen davon 2.500 l Most. Wir pressen schonend, vier Stunden lang und bekommen aus 5 kg Trauben etwa 4 Flaschen Sekt."
1,2 Millionen Flaschen lagern unter Gelblicht im Flaschenlager ("Neonlicht schädigt den Sekt," sagt Norbert Szigeti.), nachdem der Wein 10 Monate auf der Hefe im kleinen Fass vergoren wurde. "Als Dossage verwenden wir dann nur Spätlesen, Auslesen und Trockenbeerauslesen", davon haben wir etwa 4.000 Flaschen aus Gols und dem Seewinkel auf Lager," so Szigeti. 3-6 Monate dauert die Nachreifung, insgesamt dauert es fünf Jahre, bis die Sektreifung abgeschlossen ist und das Produkt in den Verkauf kommt. 22 Sekte und 7 Champagner gibt es Sortiment, sechs durften die Weinritter verkosten (siehe Beschreibung unten).
Mit einem Spaziergang durch die Golser Rieden ging es dann bei Hans Weiss um die Bodenbeschaffenheit und wie man mit den Herausforderungen des Klimawandels umgeht. Mit Leidenschaft und Engagement betreibt er mit seinem Burder Andreas Weiss das Familienweingut „Weiss-Taschner“. Im Jahre 1991 wurde das elterliche Weingut übernommen und 1999 mit dem Weingut „Taschner“ fusioniert. Heute werden 17 Hektar rund um die Weinbaugemeinde Gols bewirtschaftet - und ein kleiner aber feiner Heuriger in der Kellergasse unterhalten, wo die Burgenland-Reise der St. Urbanus Weinritter bei reichhaltigem Buffet ausklang. Nicht ohne dass es sich Hausherr Hans Weiss zuvor im alten Weinkeller nicht nehmen ließ, einen Chardonnay aus dem Jahr 1997 zu öffnen.
Der erstaunlich frisch und jugendlich schmeckte. Ein würdiger Abschluss eines spannenden und informativen Tages im Burgenland.
Weinbeschreibungen finden Sie hier: Esterhazy_A-Nobis_Verkostung.pdf
Text und Fotos: Christian Stöger