Die Weinreise 2024 führte die Mitglieder des St. Urbanus Weinritter Ordenskollegiums in die Ost-Steiermark, in die Gegend rund um Pöllau, wo es viel Kultur zu sehen und erleben, Schnäpse, hochwertige Öle und typisch trocken-steirische Weine zu verkosten gab - und die allgegenwärtige Hirschbirne in Form von Säften und Bränden genossen wurde. Von den "steirischen" Weinrittern Hendrik und Monika Dekkers perfekt organisiert waren es drei ausgefüllte Tage, während derer die Schönheit und das vielfältige Angebot der Region genossen werden konnte.
Los ging's mit einem Grillabend auf der Terrasse des Hotel-Restaurants Gruber in Pöllau, bevor am Freitag, den 26.7.2024 das offizielle Programm mit einer kurzen Wanderung zum Schlöss Pöllau begann. Erbaut als mittelalterliches Schloss im 12. Jahrhundert wurde es nach dem Tod von Hans von Neuberg, dem damaligen Besitzer der Burg und des Marktes Pöllau, 1482 in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewidmet. 1504 zogen acht Chorherren unter Propst Ulrich von Vorau nach Pöllau um, und im Jahr 1677 wurde mit dem Um- und Neubau des Stiftes begonnen. Beeindruckend ist die schöne Gartenanlage und die größte Barockkirche der Steiermark.
Mit dem Birni-Traktorzug wurde die Weinritter-Gruppe von 20 Personen zu Brennerei und Weingut Kainer aufs Schönegg geführt. 500 Tonnen Obst werden in der Verschlussbrennerei jährlich verarbeitet, wie Franz Kainer erklärt. Ergibt 50.000 Liter Schnaps, darunter natürlich die für diese Region typische Herbstbirne, die aber in der Steiermark "Hirschbirne" genannt wird. In 5. Generation wird hier mittlerweile gebrannt und von den Söhnen Dominik und Stefan auch auf steilen Hanglagen 3 ha Wein kultiviert.
Verkostet wurden Weißburgunder 2023 (12,5 Vol%), Sauvignon Blanc 2023 (11,5 Vol%), Sämling 88 2023 (12,5 Vol%) und Gelber Muskateller 2023 (12 Vol%), alles durchaus aromabetonte Weine, sehr trocken ausgebaut, zart im Abgang, leicht und animierend. Nicht fehlen durfte natürlich auch der regional typische Uhudler (10,5 Vol%) aus der Isabellatraube, mit seinem typischen Erdbeeraroma.
In der Buschenschank Schweighofer führte danach Christian Blumauer durch die nächste Verkostung. Wie in der Region typisch, wird auch hier kleinräumig lediglich auf 1,66 ha Wein kultiviert, zu 90 Prozent für die eigene Ausschank. Der Gemischte Satz (WB, SB, GM, MT) kräftig-fruchtig, der Weißburgunder fruchtig mit deutlicher Apfelnote, der Gelbe Muskateller 2021 aus der Magnum dann kräftig und sehr vollmundig, ebenso der Goldmuskateller 2020 aus der Doppelmagnum. Mit 9,2 gRZ und 13 Vol% zeigte sich der Riesling 2021 ebenfalls aus der Doppelmagnum schon fast halbtrocken, aber dennoch sehr trinkfreudig.
Am nächsten Tag begann die Verkostung mit - ÖL! In der über die Region hinaus bejkannten Ölmühle der Fandler, die seit 1926 besteht und in 4. Generation geführt wird, werden übers ganze Jahr aus 700 Tonnen der unterschiedlichsten Kerne 300.000 Liter hochwertiges Speiseöl gepresst. Bei einem Pressvorgang werden aus ca. 40 kg Kernen in 45 min. 12 Liter Öl gewonnen. Für einen Liter Maccadamia-Öl benötigt man 1,5 kg Nüsse, bei Kürbisöl 3 kg Kerne, bei Trauben 15 kg Kerne. 20 verschiedene Salat-, Speise- Brat- und Backöle werden hier erzeugt, alles biologisch und demeter zertifiziert. Gesund, geschmacksintensiv und wohlschmeckend, wovon man sich bei der ausgiebigen Verkostung überzeugen konnte.
Zur Mittagspause auf den Pöllauberg fuhren wir wieder mit dem Binri-Zug vom Hotel Gruber, um im Berggasthof König neben steirischen Schmankerln auch Weine von Gastwirt Mathias Köniog's Cooperation "Leithakalk" aus Großhöflein/Burgenland zu verkosten. Mit seinen Winzerfreunden Klaus Wimmer und den Züger-Brüdern ist dieses Projekt 2017 entstanden, mittlerweile werden auf 4 ha die unterschiedlichste Weine priduziert. Verkostet wurden Chardonnay "Hills" 2020 mit 14 Vol%, ausgebaut in 500 l-Fässern französischer Eiche, sowie ein Bordeaux-Blend 2018 aus CS/ME/ZW mit 14 Vol%, ebenfalls im kleinen Holz ausgebaut.
Nach der Besichtigung der eindrucksvollen Pfarrkirche Pöllauberg und der unterschiedlichsten Blumen- und Kräutergärten war die Buschenschank Allmer in Pöllau das letzte Ziel des Tages. 6 ha Eigenfläche werden hier bewirtschaftet, es werden allerdings viele Trauben zugekauft, sodass jährlich etwa 2 Mio. Flaschen Wein produziert werden, wie Jungwinzer Dominik Allmer erläuterte. "Unsere Weine sollen einfach steirsich schmecken", ist sein Anliegen, und das tun sie auch. Der WB 2022 mit 12,5 Vol%, etwas breiter, mit schönen Birnenaromen und feiner Säurestruktur; der SB Classic 2023 mit 12 Vol% mit Paprikanoten und Stachelbeer-Aromen; oder der GM 2023 mit 12 Vol%, mit dem typischen Rosen-Muskat-Aroma und einem schönen Frucht-Säurespiel. Dazu passend die herzhafte Brettljause.
Mit Kultur klang diese Steiermark-Reise am 28.7.2024 in Chorherrnstift Vorau aus. Gegründet bereits 1163 unter Marktgraf Odoaker III von Steyer, kümmerten sich hier die Augustiner Chorherrn um die Rodung des Landes, die Seelsorge und die schulische Ausbildung der Bevölkerung. Bis heute sind ca. 3.000 ha Wald im Stiftsbesitz, 13 Chorherrn sind hier tätig, die restlichen Räumlichkeiten der großen Anlage werden als Privatwohnungen vermietet. Sehenswert ist die große Bibliothek mit 20.000 Büchern der Rechts- und Naturwissenschaften, und die 1660 errichtete, zuerst romanische, dann gotische und zuletzt barocke Stiftskirche, die 2011-2013 um 2 Mio. € rennoviert wurde. Original aus dem Jahr 1724 sind die Kirchenbänke ebenso wie die lediglich gereinigten Deckengemälde.
Gleich nebenan im Vorauer Freilichtmuseum, einer Sammlung alter Bauernhäuser und Wirtschaftsgebäude, gab es noch einen Blick in längst vergangene Zeiten. Ob es die Schusterwerkstatt war, die alte Schule oder die Arbeitsbedingungen der bäuerlichen Bevölkerung, zahlreiche Expomnate und Videos machen hier das Leben der Menschen vor rund 100 Jahren wieder lebendig. Und lassen einen staunend zurück, was sich in nur drei Generationen alles verändert hat. Auch bei der Weinerzeugung, hier allerdings eindeutig zum Besseren, wie man auf dieser Kultur- und Weinreise in die Ostesteiermark erfahren durfte.
Text und Fotos: Christian Stöger